Regionalmarketing Mecklenburg-Schwerin e.V.

Volle Auftragsbücher, aber Engpass bei Fachkräften

Halbjahresbilanz 2017 für die Wirtschaft in Westmecklenburg

Wirtschaft auf Rekordniveau

Die Wirtschaft in Westmecklenburg wächst kräftig weiter. „Die Stimmung bei den IHK zugehörigen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und des Baus ist auf Rekordniveau“, berichtet Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin. Bei Handel und Dienstleistungen ist die aktuelle Lageeinschätzung etwas verhaltener, aber in der überwiegenden Zahl befriedigend bis gut. Nach seinem Allzeithoch im Januar 2017 konnte der IHK-Konjunkturklimaindex im Mai 2017 einen weiteren Anstieg verzeichnen. Im aktuellen Konjunkturbericht Frühsommer 2017 der IHK zu Schwerin bewerten 58 Prozent der Befragten ihre derzeitige Situation als gut. Nur 7 Prozent bezeichnen ihre Lage als schlecht. Die rege Bautätigkeit und der stabile Konsum sind auch weiterhin wichtige Träger der sehr guten Entwicklung. Die im Außenhandel tätigen Unternehmen verzeichnen ebenfalls eine Belebung ihrer Absatzmärkte.

Auch das Handwerk zeigt sich in anhaltend guter Verfassung. „Eigentümer und Mieter investieren weiterhin lieber in den Wert ihrer Immobilie oder in die Qualität ihres Wohnraumes, statt sich über Null- oder sogar Minuszinsen bei ihrer Bank zu ärgern“, sagt Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Konjunkturklimaindex im Frühjahr nur leicht gesunken. Ein milder Winter und die konstante Niedrigzinsphase haben die Entwicklung nahezu stabil gehalten. Insgesamt bewerten 89 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Weit überdurchschnittlich viele positive Bewertungen gibt es im Bauhandwerk sowie bei den Ausbauhandwerken, zu denen z.B. die Bereiche Elektro- oder Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zählen. Eine im Vergleich dazu geringer ausgeprägte Zufriedenheit zeigt sich im Kfz-Handwerk und bei den Zulieferbetrieben. 

Fachkräftesicherung im Fokus

Die sehr gute konjunkturelle Lage trifft auf einen Engpass an geeigneten Auszubildenden und qualifiziertem Personal. Insbesondere Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und der Bauwirtschaft suchen nach Fachkräften, die sie zeitnah einstellen können. Teilweise führt der Engpass dazu, dass es zu längeren Auftragsvorläufen kommt. Für die Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, ihren Fachkräftebedarf zu sichern. Dadurch rücken Themen wie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder flexiblere Arbeitszeitmodelle in den Fokus der Unternehmen. „Die Handlungsfelder sind sehr vielschichtig. Jedes Unternehmen benötigt individuelle Lösungen. Dafür bedarf es durch die Politik Rahmenbedingungen, die das selbstbestimmte Handeln der Unternehmen fördert. Die IHK zu Schwerin berät und unterstützt ihre zugehörigen Unternehmen bei der Wahl der möglichen Maßnahmen“, erklärt Siegbert Eisenach.

Da fast die Hälfte der Handwerksbetriebe bis zur Obergrenze ausgelastet ist und der durchschnittliche Auftragsvorlauf bereits neun Wochen beträgt, liegt der hohe Fachkräftebedarf des Handwerks auf der Hand. Gleichwohl konnten in der letzten Umfrage lediglich neun Prozent der Betriebe eine Steigerung ihrer Beschäftigtenzahlen melden. Demnach wird es angesichts des starken Wettbewerbs um gute Fachkräfte immer schwieriger, den Bedarf über den Arbeitsmarkt zu decken. Daher wollen rund 35 Prozent der Ausbildungsbetriebe im Handwerk die betriebliche Weiterbildung verstärken, das sind fast 10 Prozent mehr als im letzten Jahr. 

Ausbildung: Chancen in der Region wahrnehmen

In Westmecklenburg gibt es rund 1.300 Ausbildungsunternehmen, die 145 IHK-Ausbildungsberufe anbieten. Diesen Sommer werden rund 3.000 Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen verlassen. Viele Schüler sind noch sehr verhalten, wenn es darum geht, eine Ausbildung zu starten. „Die IHK-Lehrstellenbörse weist für Westmecklenburg über 600 freie Ausbildungsplätze aus. Wir bestärken die Jugendlichen, aber auch ihre Eltern und Lehrer, die sehr guten Ausbildungsmöglichkeiten bei den Unternehmen in Westmecklenburg wahrzunehmen“, betont Siegbert Eisenach. 

In der Handwerkskammer sind für das kommende Lehrjahr noch 306 freie Plätze gelistet. Es wurden aber bereits 282 Neuverträge geschlossen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das zu diesem Zeitpunkt ein Plus von 9 Prozent. Dem Mangel an Bewerbern würden die Betriebe aktiv begegnen und sich frühzeitig und engagiert um Nachwuchs bemühen, so Edgar Hummelsheim. Derzeit befinden sich auch 11 Flüchtlinge in einer handwerklichen Ausbildung, sechs weitere absolvieren eine Einstiegsqualifizierung. „Mit zwei Projekten bereiten wir in unserem Bildungszentrum Flüchtlinge passgenau auf eine Ausbildung in den Handwerksbetrieben vor“, erläutert Hummelsheim. Dies trage nun die ersten Früchte. 

Auch internationale Kontakte machen sich bezahlt

Im April präsentierten wieder viele Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern ihre hohe Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit auf der Hannover Messe. Auf der weltweit größten Industriemesse konnten die Unternehmen auf interessante und erste erfolgreiche Geschäftsanbahnungen zurück blicken. „Die Unternehmen berichten, dass sich wichtige Absatzmärkte, insbesondere in der EU, erholen und die Nachfrage dort anzieht. Es zeigt, dass Güter „Made in Westmecklenburg“ auch über die deutschen Grenzen hinaus sehr gute Chancen haben“, konstatiert Siegbert Eisenach. So haben sich auch die Exporterwartungen der Wirtschaft in Westmecklenburg in der IHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2017 deutlich aufgehellt. Gingen im Herbst 2016 noch 23 Prozent von einer günstigeren Entwicklung aus, waren es zum Jahresbeginn 2017 bereits 30 Prozent und im Frühsommer schon 35 Prozent. Die IHK zu Schwerin hat seit Jahresanfang 1.991 Ursprungszeugnisse und Bescheinigungen sowie rund 970 Beratungen durchgeführt. Mit Blick auf weitere internationale Kontakte für Westmecklenburg führte die IHK zu Schwerin im ersten Halbjahr mit 10 Botschaftern, General- sowie Honorarkonsuln aus 9 Ländern wirtschaftspolitische Gespräche. „Gute internationale Kontakte sind die Grundlage für weitere Markterschließungen und die Stärkung der Exporttätigkeiten unserer Unternehmen. So werden auch im zweiten Halbjahr 2017 Unternehmerdelegationsreisen und Wirtschaftstage Schwerpunkte unserer Arbeit sein“, betont Siegbert Eisenach.  

Bei den Handwerksbetrieben aus dem Bau- und Ausbaugewerbe stehen aufgrund der sehr guten Auslastung vor allem die regionalen Märkte und die Metropolregion Hamburg im Vordergrund. Im Rahmen des Projektes „ManufakTour“ sollen absehbar auch Kunsthandwerker besser von der Anbindung an die Metropolregion profitieren, in dem sie in besondere touristische Angebote integriert werden. 

Ausblick auf das zweite Halbjahr

Die Unternehmen im Bezirk der IHK zu Schwerin sind weiterhin zuversichtlich, was die Entwicklung der Geschäfte angeht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent in Deutschland. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen in Westmecklenburg sind ebenfalls positiv. 65 Prozent gehen in der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2017 von einer stabilen Lage aus. Ein Viertel der Befragten rechnet sogar mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte. Die IHK zu Schwerin geht davon aus, dass weitere Stellen in Westmecklenburg geschaffen werden. „Wir sind das „Urlaubsland Nummer 1“ in Deutschland. Wir haben eine sehr hohe Lebensqualität, attraktive Gewerbe- und Industrieflächen, eine belastbare Infrastruktur, ausgezeichnete Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie leistungsstarke Unternehmen und Mitarbeiter zu bieten. Mecklenburg-Vorpommern braucht ein geschärftes Profil, um in der Außenwahrnehmung als attraktiver und leistungsfähiger Industriestandort wahrgenommen zu werden. Das ist ein wichtiger Baustein, um sich national wie international im Wettbewerb um Investitionen und Fachkräfte erfolgreich zu positionieren“, bekräftigt Siegbert Eisenach.

Der Sicherung von Fachkräften für die Wirtschaft wird sich die IHK zu Schwerin auch in der zweiten Jahreshälfte verstärkt widmen. So wird weiterhin auf Berufsausbildungsmessen, Aktionstagen und Elternabenden für die Berufsausbildung in Westmecklenburg geworben. Am 9. Oktober wird ein Seminar zur „Individualisierten Personalpolitik“ zusammen mit dem deutschlandweiten Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ stattfinden. Zudem wird Anfang November ein Workshop zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf speziell für die Unternehmen des Beherbergungs- und Gaststättengewerbes angeboten. „Die IHK zu Schwerin wird ihre zugehörigen Unternehmen auch weiterhin mit praxisnahen Beratungs- und Informationsangeboten sowie Veranstaltungen unterstützen“, so Siegbert Eisenach.  

Auch die Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer Schwerin schätzen den weiteren Jahresverlauf sehr positiv ein: 92 Prozent der Betriebe erwarten eine gute oder befriedigende Geschäftsentwicklung, lediglich 8 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Neben der Nachwuchsgewinnung, der Unterstützung bei der Fachkräftesicherung durch Qualifizierung und Weiterbildung sowie bei der Unternehmensnachfolge sieht die Handwerkskammer eine wichtige Aufgabe darin, die Betriebe im digitalen Wandel zu begleiten. „Im und aus dem Handwerk heraus gibt es zahlreiche Initiativen und Kompetenzen, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern“, sagt Hauptgeschäftsführer Edgar Hummelsheim. Das Thema stehe daher auch im Fokus des landesweiten Obermeistertags des Handwerks am 26. September in Güstrow.  

Der September 2017 steht natürlich auch im Zeichen der bevorstehenden Wahlen zum Deutschen Bundestag. Im Vorfeld der Wahlen haben die Unternehmen die Möglichkeit, mit Spitzenkandidaten aus Mecklenburg-Vorpommern ins Gespräch zu kommen.