Aktuelle Situation im Handwerk MVReformdruck wächst: Betriebe brauchen Entlastung

Vor der Landespressekonferenz haben der Präsident der Handwerkskammer Schwerin Uwe Lange und der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern Jens-Uwe Hopf ein aktuelles Lagebild des Handwerks im Land vermittelt und Forderungen des Handwerks aus Mecklenburg–Vorpommern an die Bundes- und die künftige Landesregierung formuliert.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks in Mecklenburg-Vorpommern bleibt fragil. Dies zeigen die Ergebnisse der landesweiten Konjunkturumfrage, auf die 870 Handwerksbetriebe aus verschiedenen Branchen und Regionen geantwortet haben.

Der Geschäftsklimaindex, der vor allem durch schlechte Erwartungen geprägt ist, zeigt vor allem die Besorgnis der Handwerksbetriebe bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten Monaten. Mit 98,2 Punkten ist der Index der jährlichen Herbstumfrage auf den schlechtesten Wert seit 2022 gesunken.

Dazu Hauptgeschäftsführer Jens-Uwe Hopf von der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern: „Hohe Material- und Energiekosten sowie die auf annähernd 43 Prozent gestiegenen Lohnzusatzkosten belasten die kleinen und mittleren Betriebe enorm. Annähernd 80 Prozent aller befragten Unternehmen meldeten gestiegene Einkaufspreise. Der Fakt, dass jeder zweite Betrieb keine Investitionen plant, belegt einmal mehr die Verunsicherung der Betriebe. Die Unternehmen brauchen endlich Planungssicherheit. Die Reformen müssen kurzfristig strukturelle Erleichterungen bringen. Wir haben keine Zeit für einen weiteren Aufschub.“

Präsident Uwe Lange von der Handwerkskammer Schwerin betont, dass das Handwerk trotz dieser angespannten wirtschaftlichen Situation die Verantwortung auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt wahrnimmt: „Trotz allem zeigt sich im Handwerk des Landes kein Trend zu Entlassungswellen oder massivem Personalabbau. Im personalintensiven Handwerk sind die Beschäftigten die wichtigste Ressource der Unternehmen. Bevor Personal abgebaut wird, spart man lieber an anderer Stelle. Handwerksbetriebe funktionieren eben nicht wie große Konzerne. Sie sind flexibel, pragmatisch und nah an den Menschen“, so Lange. Ein weiterer Beleg dafür sei die trotz Konjunktureinbruchs mehr als stabile Lage am Ausbildungsmarkt. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge sei sogar erneut um 4,4, Prozent angestiegen. Der Gesamtbestand an Auszubildenden im Handwerk wachse weiter stetig an.

Trotz der Sommermonate gab nur ein Drittel der Unternehmen aus dem Bauhauptgewerbe eine gute Geschäftslage an, in den Ausbaugewerken waren es noch 51 Prozent. Annähernd jedes zweite Unternehmen aus dem Bauhauptgewebe erwartet weiter sinkende Aufträge. Die aus dem „Sondervermögen“ versprochenen Investitionen müssen endlich bei den regionalen Betrieben ankommen, so die Kammervertreter.

Auch im Kfz-Handwerk und bei den persönlichen Dienstleistungen (z.B. Friseur, Kosmetik, Gold- und Silberschmiede) gingen die Auslastungen zurück. Die Sparneigung der Kunden und eine schwächere Nachfrage schlagen hier negativ zu Buche. Jeder dritte Dienstleistungsbetrieb erwartet, dass die Umsätze weiter sinken.

In Mecklenburg-Vorpommern bieten rund 19.200 Handwerksbetriebe ihre Produkte und Dienstleistungen an. In diesem Wirtschaftsbereich sind landesweit rund 112.000 Beschäftigte tätig und werden fast 6.000 Jugendliche ausgebildet.