Konjunkturgipfel scheint erreicht

Ergebnisse der aktuellen Herbstkonjunkturumfrage der Handwerkskammer Schwerin

Erstmals seit acht Jahren steigt der Geschäftsklimaindex im Handwerk des Kammerbezirks Schwerin nicht mehr weiter an. Grund dafür ist aber nicht die aktuelle Geschäftslage. Diese ist wie gewohnt ausgezeichnet. Vielmehr schlägt sich hier die Erwartung nieder, dass sich die Lage nicht noch weiter verbessern kann. 

Das Handwerk verlässt den Konjunkturgipfel. Mit 130,6 Punkten schwächt sich der Geschäftsklimaindex ab. Im Vergleich dazu lag er im Vorjahr noch bei 158 Punkten. Dabei ist die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage so gut wie gewohnt: Insgesamt bewerten wie im Vorjahr 94 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Davon bezeichnen jetzt 70 Prozent und damit 5 Prozent mehr als im Vorjahr ihre Geschäftslage als gut, für 24 Prozent stellt sie sich als befriedigend dar. Der Anteil derer, die eine schlechte Geschäftslage beklagen, beträgt demnach weiterhin nur 6 Prozent. 

Die positiven Einschätzungen fallen zwar nicht in allen Gewerken gleich aus, überwiegen aber überall deutlich. Weit überdurchschnittlich viele positive Bewertungen gibt es im Bauhandwerk, bei den Ausbauhandwerken, den Gesundheits- und den Nahrungsmittelhandwerken. Etwas gedämpfter ist die Stimmung im Kfz-Bereich, bei den Zulieferern und bei den persönlichen Dienstleistern, z.B. beim Friseurhandwerk. 

Umsätze, Auslastung und Beschäftigung

Gegenüber dem Vorquartal sind bei nahezu zwei Drittel der Betriebe die Umsätze gleichgeblieben. Weit mehr als die Hälfte ist nach wie vor vollständig ausgelastet, im Bau- und Ausbaugewerbe sind es mehr als 70 Prozent. Bei weit über der Hälfte der Betriebe beträgt der Auftragsvorlauf mindestens 8 Wochen. Auf 12 Wochen und mehr kommen fast 40 Prozent.

In die Beschäftigungssituation ist etwas mehr Bewegung gekommen. 11 Prozent konnten ihr Personal aufstocken, einen Rückgang ihrer Beschäftigtenzahlen geben 12 Prozent an. Bei 77 Prozent ist die Anzahl der Mitarbeiter gleichgeblieben. 

Preisentwicklung und Investitionen

Die Preise für Rohstoffe, Materialien und Energie sind offenbar wieder angezogen. Aktuell geben fast 50 Prozent aller befragten Betriebe an, dass sich die Einkaufspreise erhöht haben - 8 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Deutlich über dem Durchschnitt liegen die Preissteigerungen bei Bau und Ausbau sowie im Nahrungsmittelhandwerk.

Es wird wieder mehr investiert. 68 Prozent geben gleichbleibende Investitionen an, 13 Prozent haben die Investitionen erhöht. 

Die weiteren Aussichten

Der Ausblick auf den Winter und den weiteren Konjunkturverlauf macht deutlich, dass kaum noch Steigerungen möglich sind: Zwar erwarten insgesamt 93 Prozent der Betriebe eine gute oder befriedigende Geschäftsentwicklung. Es hat aber eine weitreichende Verschiebung der Werte gegeben. Nur noch 11 Prozent (Vorjahr: 63 Prozent) erwarten eine bessere, 82 Prozent eine gleichbleibende Geschäftslage (Vorjahr: 31 Prozent). Dieser Trend zur Konsolidierung ist gleichermaßen in nahezu allen Branchen zu beobachten. In den Bau- und Ausbaugewerken sowie den Zulieferbetrieben liegt der Anteil derer, die eine bessere Geschäftslage erwarten, mit 5 bzw. 10 Prozent besonders niedrig. 

„Nach mehr als acht Jahren ungebremstem Aufwärtsdrang scheint unsere Konjunkturkurve einen Scheitelpunkt erreicht zu haben“ sagt Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin. „Das Handwerk ist längst über seine Kapazitätsgrenzen hinaus gefragt und beschäftigt. Angesichts des massiven Fachkräftemangels und der hohen Auslastungsraten der Betriebe sind weitere Steigerungen bei den Aufträgen kaum noch umzusetzen.“ 

An der aktuellen Umfrage der Handwerkskammer Schwerin, die derzeit 7.631 Mitgliedsbetriebe zählt, haben sich 262 Betriebe beteiligt.