Starkes Wirtschaftsjahr 2016 / 2017: Chancen der Metropolregion nutzen

Gemeinsame Jahresbilanz von Handwerkskammer Schwerin und IHK zu Schwerin mit Ausblick auf das Wirtschaftsjahr 2017.

Starkes Wirtschaftsjahr 2016

Die Wirtschaft in Westmecklenburg ist in Hochstimmung. Für die Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen war 2016 in Gänze ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Anfang des Jahres zog die Geschäftslage der Unternehmen deutlich an. Im Frühjahr 2016 verzeichnete der Konjunkturklimaindex für Westmecklenburg der IHK zu Schwerin sein zweites Allzeithoch mit 128,9 Punkten. „Die Unternehmen in Dienstleistungen, Handel und Industrie haben weitere Arbeitsplätze geschaffen. In der IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2016 bezeichneten 60 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Das ist das beste Ergebnis seit Erhebung der Daten“, freut sich Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin. Zudem lief der Konjunkturmotor Westmecklenburg auch zum Ende des Jahres weiter rund und entwickelte sich entgegen dem bundesdeutschen Trend weiterhin positiv.

Auch für das Handwerk war 2016 ein durchweg gutes Wirtschaftsjahr. Durch einen milden Winter und eine florierende Binnenkonjunktur konnten die Handwerksbetrieb mit vollen Auftragsbüchern und guten Umsätzen ins Jahr starten. Vor allem die Bau- und Ausbauhandwerke profitierten nach wie vor vom Immobilienboom, der durch anhaltend niedrige Zinsen weiter befördert wurde. Auch im Herbst bezeichneten 59% der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, weitere 35% als zufriedenstellend. Angesichts der mit der guten Konjunktur verbundenen sprudelnden Steuereinnahmen in Bund und Ländern fordert der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammern Schwerin Edgar Hummelsheim die seit langem fälligen Entlastungen bei Steuern und Lohnnebenkosten ein. „Mehr Netto vom Brutto muss aus dem Stadium der Ankündigung hinaus endlich in die Tat umgesetzt werden“, so der Hauptgeschäftsführer. „Der Fleiß von Betriebsinhabern und Beschäftigten muss durch spürbare steuerliche Erleichterungen und den Abbau der kalten Progression honoriert werden.“

Wirtschaft sucht Fachkräfte

Die Konjunktur ist weiter im Aufwind. Doch einige Unternehmen könnten bereits jetzt stärker wachsen, wenn sie passende Auszubildende und qualifizierte Fachkräfte finden würden. Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist im vollen Gange. In der IHK-Frühjahrsumfrage 2016 gaben erstmals mehr als die Hälfte der Unternehmen an, dass der Fachkräftemangel das größte Risiko ihrer wirtschaftlichen Entwicklung darstellt. Dieses Bild hat sich im weiteren Jahresverlauf weiter verfestigt. Dabei suchen Unternehmen über alle Wirtschaftsbranchen hinweg Personal. Besonders zeigt sich das bei den Unternehmen des produzierenden Gewerbes, dem Hotel- und Gaststättengewerbe sowie der Gesundheitswirtschaft. „Die Vollversammlung der IHK zu Schwerin hat die Sicherung und Bindung von Fachkräften als einen wesentlichen Schwerpunkt für 2017 hervor gestellt“, erklärt Siegbert Eisenach. „Die IHK zu Schwerin wird ihre zugehörigen Unternehmen durch praxisnahe Beratungsangebote, Veranstaltungen und durch die Bereitstellung geldwerter Informationen weiter unterstützen.“

Im Handwerk sind die Beschäftigungszahlen trotz Auftragssteigerungen und hoher Nachfrage stabil geblieben. Für immer mehr freie Stellen sind immer weniger gut ausgebildete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt verfügbar. Dies führt zu längerem Auftragsvorlauf, also dazu, dass Kunden für einen Handwerkertermin Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Ausbildung: Grundlage einer erfolgreichen Fachkräftesicherung

Die Sicherstellung eines hohen Ausbildungsniveaus für die Unternehmen war auch 2016 ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit der IHK zu Schwerin. Eine erfolgreiche Ausbildung bildet die Grundlage für die Sicherung des eigenen Bedarfs an Fachkräften. Doch für die Unternehmen wird es immer schwieriger ihre Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. „Mit 1.288 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen zum 1. Oktober 2016 blieb die Zahl erfreulich beständig, denn auch die Anzahl der Schulabgänger hat sich wieder stabilisiert, so Siegbert Eisenach. „Dennoch bleiben viele Ausbildungsstellen unbesetzt.“ Die IHK-Lehrstellenbörse ist dabei ein bewährtes Instrument sowohl für Unternehmen als auch für Jugendliche zueinander zu finden. Des Weiteren wirbt die IHK zu Schwerin auch im nächsten Jahr wieder auf einer Vielzahl von Ausbildungsmessen und Berufsstartertagen für eine Ausbildung bei ihren zugehörigen Unternehmen.

Nach zwei Jahren, in denen die Zahl der neuen Ausbildungsverträge deutlich gesteigert werden konnte, musste das Handwerk 2016 erstmals wieder einen Rückgang auf 663 Neuverträge zum 31.10.2016 verzeichnen. „Der Drang zu Abitur und Studium entzieht der beruflichen Bildung insgesamt immer mehr dringend benötigtes Fachkräftepotential. Für unsere Betriebe wird es immer schwieriger, geeigneten Nachwuchs für ihre Lehrstellen zu finden. In den Schulen, vor allem an den Gymnasien muss viel deutlicher gemacht werden, dass nicht nur der Weg der akademischen Bildung zu guten Karrierechancen führt“, so Edgar Hummelsheim. Der Fachkräftemangel bedeute für Bewerber beste Chancen auf eine sichere Karriereperspektive mit vielen Aufstiegsperspektiven in der Heimat.

Flüchtlinge erfolgreich integrieren

Die Integration geflüchteter Personen in den regionalen Arbeitsmarkt ist eine wesentliche Aufgabe von Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ist zudem ein weiterer Baustein, um der Herausforderung der Fachkräftesicherung zu begegnen. „Gerade den jüngeren Personengruppen bietet die duale Ausbildung eine erfolgsversprechende Perspektive“, erläutert Siegbert Eisenach. „Wichtige Voraussetzung für die Unternehmen bleibt der Erwerb des Sprachniveaus B1 oder besser B2.“ Die IHK zu Schwerin konnte zusammen mit dem Jobcenter Schwerin ein erfreulich hohes Interesse zur ersten Ausbildungsmesse für Zuwanderer und Flüchtlinge im Juli registrieren. 33 Aussteller, davon 23 Unternehmen trafen auf über 600 ausländische jungen Menschen. Ziel war es den direkten Kontakt zwischen Ausbildungssuchenden und Unternehmen herzustellen. Erste Praktika konnten vermittelt werden, die mittlerweile auch vereinzelnd in eine Ausbildung mündeten.

Die Handwerkskammer Schwerin unterstützt die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit vor allem durch konkrete Projekte im kammereigenen Bildungszentrum. 23 junge Flüchtlinge wurden 2016 in das Projekt Perjuf (Perspektiven für junge Flüchtlinge) aufgenommen. Im Anschluss erfolgt eine zweite Projektstufe der beruflichen Orientierung, bevor die Flüchtlinge eine duale Ausbildung beginnen können. Die Vermittlung in die Handwerksbetriebe erfolgt in Kooperation mit der KAUSA-Servicestelle Schwerin und dem Willkommenslotsen für Westmecklenburg, die beide bei Kreishandwerkerschaften im Kammerbezirk angesiedelt sind.

Nach der Landtagswahl: Weichen für die Zukunft richtig stellen

Die Wahl zum neuen Landtag Mecklenburg-Vorpommern hat das politische Geschehen bestimmt. Die IHK zu Schwerin hat mit den Wirtschaftspolitischen Positionen 2016 einen umfassenden Forderungskatalog erstellt, der die wesentlichen Handlungserfordernisse im Sinne ihrer zugehörigen Unternehmen der Politik und Verwaltung mit auf den Weg gegeben hat. Denn damit die Unternehmen auch weiterhin für die Zukunft gewappnet sind, bedarf es geeigneter Rahmenbedingungen, die ihren Bedarfen und Herausforderungen gerecht werden. „Dabei dürfen die Regionen des Bundeslandes nicht gegeneinander ausgespielt werden“, so Siegbert Eisenach. „Eine Änderung des Finanzausgleichsgesetzes, die in Westmecklenburg zu einer Anhebung der Gewerbesteuerhebesätze und einer noch stärkeren Umverteilung von Gewerbesteuereinnahmen führen soll in den vermeintlich besser gestellten Gemeinden führt, setzt falsche Signale sowohl für die lokalverankerten Unternehmen, als auch für potenzielle Investoren.“ Die Stärken des Landes werden so geschwächt. Die Politik muss in Fragen der finanziellen Belastung der  Unternehmen langfristig und verlässlich agieren, soll sich die Wirtschaft landesweit weiter entwickeln. Dem Versuch, einer politisch motivierten Einnahmeumverteilung wird eine klare Absage erteilt, so Eisenach weiter.

Mecklenburg-Vorpommern ist bereits jetzt eine für Unternehmer und Arbeitnehmer teure Wirtschaftsregion geworden: Die höchsten Netzdurchleitungsentgelte und die Anhebung der EEG-Umlage stellen zunehmend die Konkurrenzfähigkeit des Standortes in Frage. Die geplante Pkw-Maut darf die zahlreichen Pendler in Mecklenburg-Vorpommern nicht zusätzlich belasten.

Aus Sicht des Handwerks wurden im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung viele wesentliche Maßnahmen zur Stärkung dieser Wirtschaftsgruppe aufgenommen. So ist zum Beispiel die Förderung der Meisterqualifikation mit den Instrumenten Meister-Extra, Meister-Dank, Meister-Prämie und Meister-Kampagne ebenso enthalten wie die Stärkung der beruflichen gegenüber der akademischen Bildung, der Unternehmensnachfolge oder des Technologietransfers.

Digitalisierung ist wichtiger Wettbewerbsfaktor

Die Digitalisierung der Organisations- und Produktionswelt schreitet weiter voran. Sie ist für alle Unternehmen der Bereiche Dienstleistung, Handel und Industrie zu einem wichtigen Faktor für ihre weitere Wettbewerbsfähigkeit geworden. Nicht nur die Unternehmen in den urbanen Räumen, sondern auch in den Unternehmen in den Gewerbe- und Industriestandorten außerhalb der Zentren brauchen einen leistungsfähigen Internetanschluss als Unterbau. 50 Mbit/s reichen für viele Anwendungsfelder bereits jetzt nicht aus. „Nicht nur beim „Internet der Dinge“, der Mobilität, Gesundheitswirtschaft, aber auch im Handel und Tourismus, sondern in allen Branchen laufen wir Gefahr, dass wir die Chancen, die für Wirtschaft aber auch für die Daseinsvorsorge existieren, nicht konsequent nutzen können“, erklärt Siegbert Eisenach.

Mit Blick auf die zahlreichen kleineren Betriebe vor allem im ländlichen Raum steht das Handwerk im Zuge der Digitalisierung vor großen Herausforderungen. Die Handwerkskammern spielen bei der Bildung von Kompetenzzentren für die Digitalisierung eine große Rolle und auch die Schweriner Handwerkskammer ist in dieses gerade entstehende bundesweite Netzwerk eingebunden. Sie ist in Kürze offiziell als Transferpartner des Kompetenzzentrums Digitalisierung Handwerk in Dresden und des Bundestechnologiezentrums für Elektro- und Informationstechnik in Oldenburg tätig. In dieser Funktion wirkt die Kammer als Bindeglied zwischen den dort entwickelten Innovationen und den heimischen Betrieben, indem Innovationen vor Ort im kammereigenen Bildungszentrum anschaulich gemacht werden. Erste Veranstaltungen dazu hat es 2016 bereits gegeben.

International und auf Messen erfolgreich

2016 standen die Länder China, Iran, USA, Russland, Kasachstan und die Ostseeanrainer im Fokus der Markterschließungsaktivitäten der IHK zu Schwerin. Mit Delegationsreisen nach China, in den Iran sowie Wirtschaftstagen zu Kasachstan und zum Bestehen der diplomatischen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten seit 200 Jahren, wurde die hohe Bedeutung der weiteren Markterschließung für die Unternehmen herausgestellt. Auch 2017 werden wieder Markterschließungen sowie die Stärkung der Exporttätigkeit im Mittelpunkt stehen. So werden wieder Delegationsreisen und Wirtschaftstage für die Unternehmen organisiert werden. 2017 zum Beispiel wird ein Wirtschaftstag Iran für die Unternehmen in der IHK zu Schwerin organisiert und die Ostseeregion bleibt weiterhin im Fokus der IHK-Aktivitäten. Ebenfalls steht wieder die weltgrößte Industriemesse, die Hannover Messe 2017, auf der Agenda. Die IHK zu Schwerin wird auch wieder die Organisation des Gemeinschaftsstandes des Landes Mecklenburg-Vorpommern aktiv begleiten.

Für das Westmecklenburger Handwerk standen 2016 zwei große Messeauftritte im Vordergrund, die Internationale Handwerksmesse (IHM) in München und die MeLa in Mühlengeez. Für beide Messen gab es vom Land geförderte und von der Handwerkskammer Schwerin betreute Landesgemeinschaftsstände, die auch für 2017 wieder vorbereitet werden. Der Messeauftritt des Mecklenburger Handwerks in München gestaltete sich 2016 besonders erfolgreich, da vier Aussteller im Rahmen der IHM mit Bayerischen Staatspreisen und dem Bundespreis Handwerk & Design ausgezeichnet wurden.

Ausblick

Im Handwerk herrscht Optimismus bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung vor. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat seine bisherige Umsatzprognose für 2016 bereits von 2,0 auf 3,5 Prozent nach oben korrigiert. Damit dürfte das Handwerk stärker wachsen als die Gesamtwirtschaft, für die der Sachverständigenrat ein Plus von 1,9 Prozent erwartet. Auch für 2017 ist das Handwerk bundesweit mit einem erwarteten Umsatzplus von 2,5 Prozent zuversichtlich. „Derzeit sind keine Risikofaktoren in Sicht, die diese Prognose gefährden könnten“, so Hummelsheim, auch wenn man angesichts großer politischer Veränderungen in der Welt und der derzeitigen Probleme in der EU keine langfristigen Aussagen treffen könne.

Sorgen macht dem Handwerk jedoch der zunehmende Fachkräftemangel. Viele Handwerksbetriebe arbeiteten schon jetzt an ihrer Belastungsgrenze. Der starken Nachfrage komme der Beschäftigungsaufbau nicht nach, zumal in einem derart stark vom demografischen Wandel geprägten Bundesland wie Mecklenburg-Vorpommern.

Wichtig sei, so Hummelsheim, dass das Handwerk die positiven Fakten zur Konjunktur noch stärker für die Nachwuchswerbung nutzen würde. "Angesichts des ungebrochenen Trends zur Akademisierung müssen wir alles tun, um die berufliche Ausbildung attraktiver zu machen. Es wäre jetzt höchste Zeit, dass die berufliche Bildung finanziell besser ausgestattet wird, denn zwischen akademischer Ausbildung und beruflicher Bildung stimmt das Gleichgewicht nicht ".

Die IHK zu Schwerin erwartet für 2017 derzeit eine weiterhin stabile Konjunkturentwicklung für Westmecklenburg. Aufgrund verschiedener internationaler Risiken deren Auswirkungen nicht absehbar sind, wird das Wirtschaftswachstum vielleicht etwas verhaltender ausfallen als in 2016, das gesamtwirtschaftlich als sehr erfolgreich einzuschätzen ist.

Insbesondere im Hinblick auf Erweiterungen bestehender Unternehmen und Neuansiedlungen rechnet die IHK zu Schwerin mit einem weiteren Aufbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in der Region. Der Fachkräftesicherung und -gewinnung wird für die Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung zur bestehenden Herausforderung. Die IHK zu Schwerin wird ihre zugehörigen Unternehmen dabei auch weiterhin aktiv unterstützen. In der vergangenen IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2016 stieg zudem die Sorge der Unternehmen um höhere Energiekosten. In einem Land, in dem die Erneuerbaren Energien ein sowohl wirtschaftlicher als auch umweltpolitischen Erfolg sind, dürfen hohe Energiepreise nicht die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verzerren. Auch mit Blick auf die kommende Bundestagswahl müssen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im Sinne zum Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gesetzt werden.

2017: Chancen der Metropolregion Hamburg nutzen

2017 wird zudem das Jahr, in dem Westmecklenburg als Gesamtheit offiziell Mitglied der Metropolregion Hamburg wird. „Hier bietet sich für unseren Wirtschafts- und Arbeitsstandort eine große Chance, die bestehende Zusammenarbeit mit einem der vielseitigsten und dynamischsten Wirtschaftsräume im Norden Europas weiter zu intensivieren. Die IHK zu Schwerin und die Handwerkskammer Schwerin werden gemeinsam die Potenziale für die regionale Wirtschaft nutzen.“, so Siegbert Eisenach und Edgar Hummelsheim abschließend.