Versorgungssysteme im ländlichen Raum nicht gefährden
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Pressemitteilung vom 27.02.2026Versorgungssysteme im ländlichen Raum nicht gefährden
Handwerkliche Bäckereien endlich nachhaltig stärken
Die Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern warnen vor einem weiteren Rückgang handwerklicher Bäckereien im Land. Fast monatlich müssten Bäckereien Insolvenz anmelden. Schließungen treffen dabei besonders den ländlichen Raum. Damit gerät nicht nur ein traditionsreiches Handwerk unter Druck, sondern auch die wohnortnahe Versorgung in vielen Regionen.
Waren es landesweit im Jahr 2000 noch 311 handwerkliche Bäckerbetriebe, so waren es 2015 insgesamt 197. Heute bieten nur noch 132 Bäckerbetriebe ihre frischen Produkte an. Vor allem im ländlichen Raum tragen die Bäckereien wesentlich zur Versorgung bei, vor allem, wenn sie mit Verkaufswagen für nicht mobile Einwohner unterwegs sind. „Hohe Energie- und Materialkosten, zeitraubende Bürokratie sowie steigende Lohnzusatzkosten nehmen den kleinen und mittleren Handwerksbetrieben die Luft zum Atmen“, so Präsident Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern.
Zusätzlich werde der Wettbewerb durch Discounter und den Brötchenverkauf an Tankstellen massiv verschärft. Wenn Discounter mit 19 Cent pro Brötchen werben, könnten handwerkliche Betriebe aufgrund ihrer personalintensiven Vor-Ort-Produktion nicht mithalten.
„Hinzu kommt, dass in vielen Betrieben vor allem in den ländlichen Regionen Betriebsnachfolger fehlen. Dabei könnten sich Übernehmer oder Neugründer mit Ideen wie Manufakturen oder Bioprodukten zukunftsorientiert aufstellen“, betont Präsident Uwe Lange von der Handwerkskammer Schwerin. Er appelliert an die Politik, Existenzgründer und Nachfolger noch intensiver zu unterstützen.
Beide Präsidenten sehen zudem im Wegbrechen regionaler Strukturen – von Mühlen bis hin zu Schlachtereien – eine Ursache dafür, dass regionale Wirtschaftskreisläufe im Nahrungsmittelhandwerk nicht mehr stabil funktionieren. In einem Flächen- und Agrarland wie Mecklenburg-Vorpommern gefährde dies nicht nur traditionelle Produkte und immaterielles Kulturerbe wie die deutsche Brotkultur, sondern auch gewachsene Versorgungssysteme.
Für den Erhalt handwerklicher Strukturen und die Sicherung der Versorgung – insbesondere im ländlichen Raum insgesamt – fordern die Handwerkskammern:
- Handwerksbetriebe spürbar entlasten: Energie-, Material- und sonstige Betriebskosten müssen durch wirksame politische Maßnahmen gesenkt werden.
- Bürokratie konsequent abbauen: Kleine und mittlere Betriebe brauchen einfachere, praxistaugliche und digitale Verfahren statt zusätzlicher Dokumentations- und Nachweispflichten. Das Nahrungsmittelhandwerk muss dringend von überflüssigen Statistikpflichten befreit werden.
- Lohnzusatzkosten senken: Die 40-Prozentmarke bei den Lohnzusatzkosten muss dringend wieder erreicht werden, um Beschäftigung und Ausbildung im Handwerk zu sichern.
- Existenzgründungen und Betriebsnachfolge gezielt fördern: Gerade im ländlichen Raum müssen Nachfolgerinnen und Nachfolger durch Beratung, Finanzierung und Förderprogramme besser unterstützt werden.
- Regionale Wertschöpfungsketten stärken: Der Erhalt und die Wiederbelebung regionaler Strukturen – etwa von Mühlen und weiteren Verarbeitungsbetrieben – sind Voraussetzung für resiliente Versorgungssysteme im Land.