Dorfen, DEU, 20.11.2014 Der Beruf des Bau-und Landmaschinenmechatronikers. Schlagwort(e): Baumaschinenmechatroniker, Gruber, Thomas, Handwerk, Trade, HandwerkMarketing, Landmaschinenmechatroniker, Mechatroniker
argum / Falk Heller

Was Ausbildungsbetriebe jetzt beachten müssen

Was müssen Ausbildungsbetriebe in Zeiten der Corona-Pandemie wissen und beachten? Wir haben wichtige Aspekte für Sie zusammengestellt.

Gesellen- und Abschlussprüfungen:

Alle Prüfungen sind zunächst bis zum 24. April 2020 ausgesetzt worden.

Laut ZDH sollten abgesagte Prüfungstermine spätestens ab Juni 2020 nachgeholt werden. Dies gilt entsprechend für Meister- und sonstige Fortbildungsprüfungen. Bei der Nachholung von Prüfungsterminen sind abgesagte Zwischenprüfungen und abgesagte Teil 1 Prüfungen nachrangig zu behandeln. Zwischenprüfungen können ggf. gänzlich entfallen, sofern keine ausreichenden Ressourcen zur Verfügung stehen.

Auswirkungen der Verschiebung des Prüfungstermins auf das Berufsausbildungsverhältnis:

Sollte der Ersatztermin für die Prüfung nach Ende der Vertragsdauer eines Berufsausbildungsverhältnisses liegen, verlängert sich dieses nach dem Gesetz nicht automatisch bis zu dem Ersatztermin. Im Einzelfall kann eine Verlängerung des Ausbildungsvertragsverhältnisses nach auf Antrag des/der Auszubildenden in Betracht kommen, wenn dargelegt wird, dass das Erreichen des Ziels der Berufsausbildung (Erwerb der beruflichen Handlungsfähigkeit) noch nicht erreicht worden ist. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn bereits vor dem entfallenden Prüfungstermin wesentliche Teile der Ausbildungszeit ausgefallen sind (z. B. wegen Quarantänemaßnahmen, Betriebsschließungen, Berufsschulschließung, Ausfall von ÜLU o.ä.).

Damit Auszubildende bis zu ihrem Prüfungsabschluss in der Ausbildung bleiben und sich im Betrieb auf die Prüfung vorbereiten können, wird den Handwerkskammern vom Zentralverband des Deutschen Handwerks empfohlen, Anträgen auf Verlängerung der Ausbildung bis zum nächsten Prüfungstermin wegen der atypischen Ausnahmesituation der Corona-Pandemie großzügig stattzugeben. Der Betrieb hat hier ein Anhörungsrecht, so dass er seine Belange einbringen, nicht aber eine sachgerechte Entscheidung der Kammer verhindern kann. Auf diese Weise sind sowohl Auszubildende als auch Betriebe in die Entscheidung eingebunden.

Schließung der Berufsschulen:

Die Berufsschulen in Mecklenburg-Vorpommern sind wie die allgemeinbildenden Schulen vom 16.03 bis zum 19.04.2020 geschlossen.

Konsequenzen für Azubis und Betriebe:

Auszubildende: Während dieser Zeit muss der Auszubildende im Ausbildungsbetrieb erscheinen, sofern er nicht unter Quarantäne gestellt wurde. Ein Auszubildender darf dies grundsätzlich nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. 

Ausbildungsbetriebe: Die Schulen stellen ggf. den Betrieben Möglichkeiten zum Selbstlernen und Unterstützung für die Prüfungsvorbereitung zur Verfügung. Beachten Sie bitte entsprechende Mitteilungen der für Sie zuständigen Berufsschule.

Das Bildungsministerium des Landes hat darauf hingewiesen, dass der Ausbildungsbetrieb entscheidet, ob die/der Auszubildende während des schulischen Ausbildungsturnus im Betrieb eingesetzt oder für die Bearbeitung schulischer Lerninhalte freigestellt wird. Für den Fall, dass den Teilzeitberufsschülerinnen und Teilzeitberufsschülern von den Schulen Lernaufgaben in digitaler oder anderer Form zur Verfügung gestellt werden, bittet das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern die Ausbildungsbetriebe, ihren Auszubildenden, insbesondere in den Abschlussklassen, für die Bearbeitung der Lerninhalte soweit wie möglich erforderliche Zeitfenster entweder am Arbeitsplatz im Betrieb oder für das Lernen zu Hause einzuräumen. Die Ausbildungsbetriebe und die Teilzeitberufsschüler/innen werden von den Berufsschulen über die von den Schulen vorgesehenen digitalen und sonstigen Lernangebote informiert.

Azubis im Home-Office:

Auszubildende dürfen vorübergehend im Home-Office arbeiten, sofern sie hier ausbildungsrelevante Tätigkeiten ausüben können und mit dem Ausbilder in Kontakt stehen. 

Auszubildende und Kurzarbeit:

Da für Azubis auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt werden, haben sie auch im Grundsatz Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Allerdings ist die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld für Azubis deutlich schwerer als für regulär sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, denn Ausbildungsverhältnisse gelten als Vertragsverhältnisse besonderer Art. So ist ein Betrieb verpflichtet, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbildung der Azubis weiterhin durchzuführen. Er sollte z.B. die Azubis in andere Abteilungen versetzen, Lehrpläne umstrukturieren und andere Inhalte vorziehen, ihn möglichweise in eine Lehrwerkstatt schicken etc. 

Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft oder ist – wie aktuell – eine komplette Schließung aller betrieblichen Aktivitäten behördlich vorgegeben, dann kann auch für den Azubi Kurzarbeit angeordnet werden. Dann gilt allerdings zunächst die Pflicht zur Fortzahlung der kompletten Ausbildungsvergütung durch den Ausbildungsbetrieb für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Tarifverträge oder auch Ausbildungsverträge gehen teilweise sogar über die sechs Wochen hinaus. Dies ist also im jeweiligen Einzelfall zu prüfen.

Der ZDH setzt sich derzeit mit Nachdruck für Erleichterungen beim Zugang von Azubis zum Kurzarbeitergeld ein.

Ausbilder und Kurzarbeit:

Auch bei Ausbildern sollte Kurzarbeit nur in Ausnahmefällen angeordnet werden. Der Betrieb muss gewährleisten, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht gegenüber dem Auszubildenden nachkommt.

Kündigung von Auszubildenden:

Kurzarbeit an sich kann keine Kündigung der Auszubildenden durch den betroffenen Ausbildungsbetrieb rechtfertigen – es sei denn der Ausbildungsbetrieb kommt für längere Zeit vollständig zum Erliegen. Entfällt dadurch die Ausbildungseignung des Betriebes, ist eine Kündigung möglich, ohne dass ein Schadensersatzanspruch entsteht. Die Ausbilder sind aber dazu verpflichtet, sich mit der zuständigen Agentur für Arbeit rechtzeitig um einen anderen Ausbildungsbetrieb für den Auszubildenden zu bemühen.

Weitergehende Informationen und Beratung bei der Handwerkskammer:

Karin Klehr
Abteilungsleiterin Berufsbildung/Prüfungswesen

Tel. 0385 7417 - 131
Fax 0385 716051
k.klehr--at--hwk-schwerin.de

Gabriele Dreiza
Ausbildungsberatung/Gesellenprüfungen

Tel. 0385 7417 - 136
Fax 0385 716051
g.dreiza--at--hwk-schwerin.de